Sieglinde Zehetbauers Stimme verzaubert. Wenn sie singt, dann werden in den Köpfen und Herzen der Zuhörer große Gefühle lebendig: Verletzlichkeit, Angst, Mut und Liebe. Diese Gabe ist der Lohn dafür, dass sie viele dunkle Momente überstehen musste. „Im Rückblick“, erklärt die Rosenheimer Sopranistin, „fügen sich alle Erlebnisse wie ein Mosaik zusammen“.

 

Von ihrer Kindheit hat sich der Chiemsee als Kraftort in Sieglinde Zehetbauers Erinnerung eingeprägt. „Wir wohnten in Breitbrunn ja ganz in der Nähe vom Chiemsee. Und dort konnte ich einfach sitzen, das Wasser beobachten, musste nichts tun und auch nichts reden.“ Die Welt um sie herum war ihr zu laut. Daher sprach sie wenig, zog sich teilweise komplett in sich und die Natur zurück, fühlte sich fremd. Dass dieses Gefühl eine Folge ihres absoluten Gehörs und ihrer Ausnahmebegabung war, darauf kam der Arzt, den ihre Mutter um Rat fragte, nicht. Und dennoch hatte er eine Idee, die das Leben der kleinen Sieglinde nachhaltig beeinflusste. Wenn das Kind nicht spreche, solle die Mutter halt viel mit ihm singen, schlussfolgerte er. Also sang die Mutter zusammen mit dem Vater dem Mädchen vor. Sie förderten ihre Kreativität, unterstützten trotz wenig Geld ihre Liebe zum Klavier. Im Kreise ihrer Familie, mit ihrem musikalischen Großvater, der sich selbst Akkordeon und Klavier beibrachte, erklang oft im Advent Hausmusik und Sieglinde entdeckte eine Welt, in der sie sich zurechtfand, sich wohl und sicher fühlte. Die Welt draußen erlebte sie oft als einzige Bedrohung. Auch wortwörtlich.

Wie sie sich zurechtfand in dieser schwierigen Situation und ihre Gabe nutzte, um ihren persönlichen Weg zu gestalten, erzählt sie der CHIEMGAUERIN. Lesen Sie das ganze Porträt in der aktuellen Ausgabe 01/19.

 

Fotos: Bertram Zehetbauer